Buchzusammenfassung Aldo Haesler Das letzte Tabu Ruchlose Gedanken aus der Intimsphäre des Geldes

Aus myknow wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Zusammenfassung des Buches von:

Das letzte Tabu.jpg
Aldo Haesler

Geld bewegt: der Soziologe Aldo Haesler spricht über Geld

Eine Analogie von Geld und Wissen als Medium

Aldo Haesler, geboren 1954 und aufgewachsen in Weinfelden/Thurgau, Studium der Wirtschaftswissenschaften, des Rechts, der Philosophie und der Anthropologie an der Universität St. Gallen, HSG, und der Universität Strassburg. Lehraufträge an den UniversitätenSt.Gallen, Montreal und Lausanne, als Direktionspräsident einer Privatschulgruppe in der Schweiz tätig von 1995 bis 2000, seit 2001 Professor für Soziologie an der Universität von Caen. Wirtschaftswissenschaftler und Soziologe, Philosoph und Essayist. Lebt in der Normandie.

Das letzte Tabu

Der Geldsoziologe, Wirtschaftswissenschaftler und Philosoph Aldo Haesler skizziert in diesem neuen Essay-Band glänzende, weil böse Gedanken aus der Intimsphäre des Geldes. Ein gescheiter Expeditionsbericht aus den Hörsälen der Theoretiker, den Wunschträumen der Zukurzgekommenen, den Karrierevorstellungen der Zocker und den Dachkammern der Working Poors. Was Haesler den gläubigen Geldtheoretikern entgegenhält, ist Denk- und Lesevergnügen, gespiesen aus selbst erlebten Geschichten. Es ist das erstaunliche Kapitel einer neuen Wirtschaftsgeschichte aus dem Rinnstein unseres noch jungen Katastrophen-Jahrhunderts, gewidmet einer Geldgesellschaft, in der alles wieder wie geschmiert läuft... Oder?

Ruchlose Gedanken aus der Intimsphäre des Geldes

Haben nicht Lehman Brothers und Bayern-Hypo die Grenzen des fragilen Glücks offenbart? Aldo Haesler zeigt unser Zahlungsmittel von einer neuen Seite: Geld als Glücklichmacher. Geld als Energie für unsere Wunschmaschinen, Geld als Stoff für Waschmaschinen, Geld als Motor unserer Tauschgesellschaft, Geld als unser Gesprächsstoff Nummer eins. Nur: Haesler kehrt den Spiess für einmal um – denn es gibt gute Gründe, das Geld anders als nach den Regeln der Volkswirtschaftslehre zu behandeln. Das Resultat ist ein glänzend formuliertes Buch über das Geld im Endstadium seiner Entstofflichung: frivol, charmant, für viele vielleicht ärgerlich, für alle aber höchst erleuchtend. Eine Vorahnung dessen, was jene erwartet, die immer noch glauben, die globale Krise sei lediglich ein kurzfristiger, monetärer Betriebsunfall.

Einleitung

S.5 Du kannst von mir aus, wenn du willst, das Geld abschaffen, aber du wirst nicht abschaffen die Übermacht desjenigen, der die Vorteile in der Hand hat.
Robert Musli, Der Mann ohne EigenschaftII. Aus dem Nachlass

S.9 Geld befreit sich von seiner Substanz
Es hat schon mit dem Geist zu tun, den man aus der Flasche liess - nurfragt sich, welches man das ist.

S.10 Der Bekantenkreis der Vertrauten war 1985 noch 12-13 Personen gross - 2005 war er noch 2-3 Personen gross. (Studie: Smith-lovin et al. 2006)

S.11 romische Juristen <<do ut des>> <<gebe um zu erhalten>>

Immunokratie

S.15 Wir befinden uns heute in einer immunitären Demokratie, einer Demokratie, deren wichtigster Grundwert für die meisten darin besteht, in Ruhe gelasen zu werden.

Über die Schwierigkeit, Geld zu sagen

S.22 Wenn wir vermuten, das moderne Denken vom Geld abgeleitet worden ist, so wird es schwierig mit dem Denken, schwierig vor allem mit dem Denken übers Geld, mit dem Bedenken des Geldes, ganz allgemein mit Geldgedanken.
Besteht lediglig eine vage Analogie zwischen Geld und Denken oder wird letzteres richtiggehned vom Geld programmiert?

In der Angstgesellschaft

S.35 Es wird mit der Angst regiert. <<Politics of fear>>
Ab einem gewissen kritischen Punkt schafft jedes zusätzliche Gut(e) ein überpropotionales Schlechtes. Das hatte schon der Visionär Ivan Illich gesehen: im Autoverkehr, in der medizinischen Versorgung. Je mehr Ärzte, desto mehr Kranke.

S.36 Nur noch Geldbeziehungen sind wahre Beziehungen, weil alle anderen Beziehungen Vertrauensbeziehungen sind.

Das vorletzte Tabu

S.38 Francis Bacon identifizierte Wissen und Macht.

Geldbefreiung (I) - von der Sorge

S.45 Die Moderne kann als ein Zeitalter der Befreiung schlechthin verstanden werden.
Die Neuzeit ist auch ein Prozess der Geldbefreiung; nicht nur wirtschaftlich, rechtlich oder kulturell, sondern auch moralisch, ästhetisch und materiell.

S.46 Sagen wir es mit Nachdruck: Geld befreit von aller Last, ausgenommen der es zuverdienen.

S.48 Es gibt eine abgrundtiefe Bresche zwischen dem Möglichkeitsmenschen und dem Wirklichkeitsmenschen der uns verlassen hat.

Über die vier Ursprünge des Geldes und seine Bedeutung

S.58 Geld ist ein viel zu ernster Gegenstand, als dass wir ihn nur Ökonomen allein anvertrauen können. Das wahre Drama ist aber, dass sich fast nur Ökonomen darum kümmern.
Lange Zeit überwog die Auffassung, dass das Geld als ein Tauscherleicherungsinstrument erfunden wurde. Erst allmählich wurde klar, dass diese Erklärung des Geldursprungs falsch war.

S.59 Es ist unschwierig zu sehen, dass der Übergang vom real- zum Geldtausch für alle Parteien von Vorteil ist, vorausgesetzt es herrscht Vertrauen in seinen Wert.
Sodann zementiert die Vorstellung, wonach der Tausch das Geld bestimmt (T==>G) Viel heickler wird es wenn das Geld den Tausch beienflusst (G==>T). Dann verliert das Geld seinen neutralen Charakter und es wäre Medium und Akteur zugleich.

S.60 Herkunft des Geldes: Die erste Hypozhese lautet: Opfersubstitution. Im Lateinischen heisst Geld pucunia und das kommt von pecus dem Vieh, dem Ochsen. Auf den ersten Münzen war dann auch das Sysmbol des Ochsen. Man hat den Göttern nicht mehr die realen Ochsen geopfert, sondern nur noch die Münzen und die Priester behielten das Fleisch.

S.62 Geld ermöglicht das Borgen auf Zeit, aber vor allem das Borgen von Zeit. Somit muss die Menge plus die Risikoprämie zurück erstattet werden.

Globalkrise

S.65 Die Aufblähung der monetären Seifenblase ist das Verhältnis zwischen globalem Sozialprodukt und globaler Geldmenge. 1989 war das verhältniss schon auf 1:300 angeschwellt. Vor 1973 war es fast 1:1

Produktion oder Zirkulation?

S.73 Abendländisches Denken ist durch und durch dem Titanen Prometheus verpflichtet; Prometheus, dem Planvollen, dem Vor-Sichtigen, dem Machenr. Geld aber ist keine prometheische, sondern eine faustische Erfindung. Es ist keine Hervorbringung neuer Werkzeuge und Wirklichkeiten, sondern ein Spiel mit ihren Möglichkeiten. Geld erfordert daher ein Denken in Bezügen.

S.75 Das Geld hat auch eine Wertaufbewahrungsfunktion.

S.76 Wirtschaftliche Dynamik kennt daher im Kapitalismus zwei Grundelemente: das Kapitalprinzip und die Entstofflichung des Geldes.
Geschichtliche Deutung der Verkehrsformen; die Hypothese nämlich, dass der geschichtliche Wandel nicht einer Veränderung von Wissen und Technik zuzuschreiben sei, sondern einer Transformation der Tauschformen, d.h. Zirkulation von Menschen und Dingen.

S.77 Das Zinsnehmen unterlag sehr sehr harten Zwängen - und konnte lange Zeit nur von Juden ausgeübt werden.

S.78 Damit ein Wechsel überhaupt akzeptiert wurde (in der Wechselsprache spricht man nicht umsonst von einem Akzept), brauchte es ein gegenseitiges Vertrauen, und es brauchte eine Instanz, welche Regeln für dieses Geschäft erlies.
Und was es auch noch braucht, ist ein Wandel in der Denkgewohnheiten: Denn was da auf den Tisch des Wechslers kam, war ken Mass Korn, kein Goldklumpen, sondern ein blosses Papier. Es ist wahrlich eine Denkrevolution sondergleichen, anstelle eines Materiellen Dinges nur sein nominelles Substitut warzunehmen, Wir sehen hier aber gleich zu Beginn, zu welchen Abstraktionsleistungen der menschliche Geist befähigt sein muss, um dematerialisiertes Geld denken und benützen zu können.

S.79 Ein neues Konstrukt à la da Vinci ist zwar eine technische Höchsleistung, doch ist sie faktisch, sie steht da, man kannihrenMechanismus studieren, ihn auseinandernehmen, verbessern umbauen. Nichts davon bei Verkehrsinnovationen (Immaterielle Innovationen).

Irreflexität des Geldes

S.81 Das Geld als Zirkulationsprinzip, d.h. als Medium: Geld = f(Tausch) ==> Tauch* = f(Geld) Traditionellerweise musste sich das Geld den Umständen des Tausches unterwerfen.
Nehmen die Austausche zu, so musste mehr Geld produziert werden und umgekehrt. Die Bestimmung ging also imer in die eine Richtung T => G

S.82 Das Geld ist das Medium der Mensch-Ding-Beziehung. (Roger:Vielleicht ist das Wissen/Fähigkeiten das Medium der Mensch-Ding-Beziehung)

S.83 Das Geld ein massives Versachlichungsinstrument darstellt, das es aber jeder Soziokultur gegeben ist, sich Geld als Werkzeug wieder anzueignen. So z.B. norwegische Prostituierte, die zwischen sauberem und dreckigem Geld fein ...säuberlich unterscheiden und jede dieser Geldarten einem anderen Zweck zuwenden - das dreckige für Luxusausgeben, das saubere (durch andersweitige Arbeit, Alimente, Sozialhilfe erhalten) Geld für den Alltag. Dies ist ein reflexifer Umgang mit dem Geld.

Die Welt auf 85x54 Millimetern

S.86 Kreditkarte ==> monetäre Identität // Identitätskarte ==> soziale Identität // (Roger: xxxKarte ==> Wissens/Fähigkeiten Identität)

S.87 Wenn es irgendetwas gibt, wa unsere problematische Welt noch zusammenhält, so ist es das Geld. Das Geld, das über alle Grenzen, Kulturen, Sprachen und Ethiken hinausgeht und jedes Individuum zu seinem Subjekt macht.

S.89 Trivialisierung ist sehr oft eine Überlebenstechnik. Das ist bei einer immer komplexer werdenden Technik der Fall. (Roger: myknow macht auch eine Trivialisierung für das Matching)

S.92 Man geht ins Kaufhaus, wählt aus und präsentiert die Karte. Aber man gibt eigentlich nichts. Man präsentiert nur, und die Karte wird einem zurückerstattet.

Der Tausch ist zum Speil geworden.

Das Symbol, das alles Vereinte trennt und alles Getrennte vereint

S.97 Aristoteles sah, wie beschwerlich der Naturaltausch war und wie behende die Tausche sich vollzogen, sobald Geld ins Spiel kam. (Roger: Der Tausch geht in der transformierten Geldebene leichter, da sie entwurzelt von dem Vorstellungfermögen ist. Genau so wie myknow den Tausch in der transformierten Funktionalen Ebene vollzieht)

S.100 Wir haben eine klare Reihenfolge des gesellschaftlichen Integrationsprozesses: Gemeinschaft - Götter - Symbole - Zeichen - Geld (Roger:Begreife ich nicht)

S.102 Unter der Zeichenmacht des Geldes ist alles mit allem potenziell verbindbar: Ideen, Dinge, Ressourcen, Menschen, Mächte und Ereignisse.
Eine Zuordnung zwischen Ding und Mensch wird durch das Medium, dem Geld definiert.

S.103 Eine Gesellschaft geht unter, wenn sie keine Symbole mehr produzieren kann.
Symbole sind: Werke; Lieder; Gemeinsame Feinde und Freunde; Märchen; Helden; Idole; Wappen...

S.104 Inflation ist somit nicht nur eine Kankheit der Geldmenge; eines Geldes, das sich von seinem Substrat verabschiedet hat; und einer Menge, die wie jede Kritische Menge, sich ihrer eigenen fatalen Gesetzmässigkeiten verschrieben hat. Nein, Inflation ist auch und vor allem die panische Produktion von Zeichen in einem Moment, wo die Symbolhaltigkeit der Symbole ausgedient hat und durch unendlich produzierbare und reproduzierbare Zeichen ersetzt werden muss.

Globalkrise und Gleichgültigkeit

S.109 Die Bedeutung des Tauschhandels: Restlos alle traditionellen Kulturen interpretieren ihn nach dem Muster des einen Vorteil ist des anderen Nachteil.
Unsere moderne Vorstellung ist ja bekanntlich das Win-Win-Spiel
Doch die Regel in der Moderne ist das Positivsummenspiel.

S.111 Der Schmerz, sich in einem Raumschiff zu befinden, einem winzigen Sandkorn in der Unendlichkeit des Raumes, von Gott scheinbar verlassen, konnte nur durch Mobilisierung einer ganz massiven Illusion errträglich gemacht werden; der Illusion nämlich, dass durch die Sprengung des limitierten und geschlossenen Kosmos der Zugang zu einer unendlichen Fülle von Ressourcen möglich sei.

S.112 Geld stiftet eine neue gesellschaftliche Einheit

S.113 Von dem Moment an, wo der Einzelne nicht mehr Selbstversorger ist, muss sich der Schuster seine Wassermelone durch Tausch ergattern. Und da Naturaltausch, Sandalen gegen Wassermelonen, eine komplizierte Angelegenheit ist, erfand man das Geld, um diesen tausch zu erleichtern.

Nicht in den Mund, Geldbefreiung (II) - ästhetisch

S.123 Geld ist ein Medium, d.h. ein Vermittler. Ein Vermittler baut bekanntlich eine Brücke zwischen zwei verschiedenen Gegenständen, Menschen, Ideen, Ressourcen usf.

Geld und Geist, Geld oder Geist, ist das so einfach zu haben?

S.132 Was würde ein Wilder dazu sagen, wenn ein von ihm seelisch beladener Gegenstand durch eine schlichte Zahl ersetzt würde? Was hielte er von solch einer Abstraktion?

Der Geldpanzer - Immunisierung durch Geld

S.143 Das Geld ist das Transzendentalsubjekt, nach welchem die Philosophie seit Kant (meist erfolglos) Jagd gemacht hat.

Auf dem Rosenberg

S.145 Der Mensch muss tauschen. Es ist dies sein Vehikel. Denn er kann weder alleine leben noch alleine überleben. Durch Tausch kommt er an Sachen heran, die er nicht selbst herstellen kann, und durch Tausch bindet er sich auch an andere Menschen, weil er nicht alleine leben kann.
Mensch Ding Verbindungen => Ökonomie
Mensch Mensch Verbindungen => Soziologie

S.147 Je mehr sich das Geld entstofflicht, desto mehr gewinnt es an Bedeutung, aber desto schwieriger auch wird seine Kontrolle und sein Verständnis.
Man stelle sich vor: ein Thurgauer, der statt Geld verdienen, sich ein Leben lang damit (mit dem Geld, nicht mit dem Geld verdienen) den Kopf zerbricht, und erst noch dabei kein (oder kaum) Geld verdient.

S.153 Durch das Fallenlassen des Dollars als Leitwährung brach das letzte verbindliche transnationale Referenzsystem zusammen

Geldbefreiung III (moralisch)

S.155 Einer der Gründe der heutigen Globalkrise ist nicht nur dieses exponentielle Anwachsen der Weltgeldmenge ab 1973, es ist sicherlich auch die moralische Neutralisierung des Geldes.

S.158 Die kapitalistische Dynamik beruht somit auf Mehrwert, der noch nicht produziert wurde, der aber abgesehen werden kann und somit als relativ sichere Grösse ins betriebliche Kalkül integriert wird. Daher ist Buchführung absoluch unverzichtbar.

S.159 Wir sind in einem Zeitalter der Demonetisierung und müssen, ob wir es wollen oder nicht, die Konsequenzen dieser Demonetisierung zu tragen lernen.

S.163 Ich bin der Überzeugung, dass hier ein Epochenwandel stattgefunden hat, dessen Ausmass unsere Wahrnehmung und Denkkraft noch weitgehend überfordern.

Das moderne Geld, eine creation ex nihilo

S.164 Man hat sich nie darüber einigen können, ob nun der Wert eine subjektive Zumessung darstellt oder ob es ein objektives Wertmass gibt, wie Arbeit, Nützlichkeit oder Seltenheit.

S.169 Das Geld ist ein Symbol das als Vermittler zwischen Transzendenz und Immanenz auftritt.

S.170 Die Umkehrung der Zwecke (T==>G / G==>T) als Inbegriff der modernen Geistes macht aus dem Geld ein tätiges Symbol, d.h. ein selbststrebendes Ding

Vom erzeugen der Seifenblase

S.171 Es gibt zei Arten Seifenblasen zu erzeugen.
Bei der einen taucht mann einen Docht ins Seifenwasser, nimmt ihn heraus und bläst durch die am Docht befindliche Öffnung. Bläst man etwas forsch, so bilden sich zehn kleine Seifenblasen, die durch den Raum gleiten, almählich herabsinken und auf dem Teppich zerplatzen.
Bläst man behutsamer, so bildet sich so etwas wie ein Seifenbalg, eine unförmige Blase, die man nur mit Mühe vom Docht lösen kann. Bleibt sie kleben, so bildet sie sich zurück, und es bleibt einem nichts anderes übrig, als durch immer stärkeres Blasen den Balg von seinem Ursprung zu lösen. Oft gelingt die Operation nicht.

S.173 Seit je hat man sich hydraulischer Metaphern bedient um vom Geld zu sprechen. Auch die gesamte Geldtheorie unterliegt der Logik der Hydraulik.

S.176 Generell nimmt man an, dass die heute grassierende Finanzkapitalistische Schuldendynamik anlässlich des Korea-Krieges begann, als die amerikanischen Kriegsausgaben nicht mehr durch das laufende Staatsbudget gedeckt werden konnte und die Amerikaner auf staatliche Schuldenpapiere zurückgreifen mussten, um diesen Krieg zu finanzieren. Dieses unproduktive defict spending hielt über 15 Jahre lang an. Unproduktiv, weil die Amerikaner diese Kriege nicht imperialistisch nutzen konnten, um ihre Verschuldung durch Ressourcenausbeutung wieder auszugleichen. Dennoch bleib der Schuldenberg in einem durch Budgetgesetze eng umschriebenen Rahmen. Erst als die vereinigten Staaten durch die zu hohe Parität des Dollars als Leitwährungdas System flexibler Wechselkurse einführte und zugleich die Vergabe von Kleinkrediten an Private lockerte, bildete sich eine moneträre Masse, die als virtuelles Kapital sich immer mehr von der Realsphäre entfremdet.

S.177 Zehn Jahre nach der Aufkündigung der Bretton-Woods-Abkommen, wurde das Verhältnis Geldmenge/Weltsozialprodukt auf ein Verhältnis 300:1 geschätzt. Das war 1989.
Überall schwelgen die Bälge, gefüllt mit nichts als Erwartungen.
Für eine traditionelle Zahlung Güter-Geld kommen Hunderte von Geld-Geld Zahlungen hinzu.

Pometheus und Faust

S.179 Die Moderne kennt zwei sehr ungleiche Helden:
Der eine ist der unentwegte Bastler, der nie ruhende Innovator, Prometheus. Er schafft Wirklichkeit.
Faust dagegen spielt mit den Wirklichkeiten, sie auf ihre Bedeutungen reduzierend und sie gegeneinander aussspielend. Für ihn gibt es keine Zeiten, Räume, keine Zweckreihen, keine Un möglichkeiten, denn er ist immer Zwischen, Zwischen den Zeiten, zwischen den Räumen.

S.180 Völlig verquer glaubt man, es gäbe apollinische dionische Menschen, Arbeits und Festwesen. Die einen Arbeiten, damit die anderen festen.

S.181 Virtuell ist noch ungeborene Wirklichkeit, auf die man aber reelle Wechsel ziehen kann. Noch jede Religion hantierte mit diem Trick.

S.182 Prometheus ist ein Natursadist. Er beutet aus, locht, meisselt, sägt - aus heiter Freud. Doch er tut dies ohne böse Absicht. Er glaubt gar der Menscheheit einen Dienst zu erweisen. Ganz anders unser Faust. Er macht seine Experimente um seine Macht zu erproben, seine Freude ist das Speil. Glaubt man Prometheus durch sein Wirken zum allgemeinen Wohlstand beizutragen, so ist Faustens Absicht allerhöchstens ästhetischer Natur. Er ist sich bewusst, dass sein Werk nie verwirklicht werden kann, dennoch möchte er wissen, wie weit er den Spuk treiben kann.

S.184 Das die Moderne Wirtschft nicht anders sei als die Fortsetzung der Alchemie mit anderen Mitteln.

Geldbefreiung (IV) - materiell

S.186 Gold zu transportieren ist nicht nur mühevoll sondern auch gefährlich.
Der Wechsel war ein Stück Papier und konnte nur persönlich indossiert werden.

S.189 Da Geld als solches keinen Zins abwerfen kann, ist ein allen traditionellen Gesellschaften gemeinsamer Zug. Bevor es als ein moralisches Verbot gewertet wurde, wurde Zinsnehmen als eine sachliche Unmöglichkeit angesehen.
In allen traditionellen Gesellschaften - ausser der jüdischen, wo es im Umgang mit Fremden gestattet wurde - das (monetäre) Zinsnehmen verboten war.

S.191 Die Frage war nun, wie Geld verliehen und dafür ein Zins verlangt werden konnte.

S.192 Es war dann auch Jean Calvin der erste christliche Theologe, der für Zinsbefreiung eine Lanze brach, was umso erstaunlicher ist, als Calvin für seinen moralischen Rigorismus berüchtigt war.
Doch die Geschichte ist durchzogen mit Finanzskandalen, die letztlich alle auf diese Befreiung zurückzuführen sind.

S.193 eindrücklich ist auch, wie schnell die Geldsprache, welche nur die Mensch-Ding-Beziehung hätte regeln müssen, auf die Mensch-Mensch-Beziehungübergriff.
Wenn Gott der Alleserschaffer ist und zugleich der unendlich Gute, wie kommt es, dass es ein Böses gibt auf dieser Erde!

Gnosis
Wenn alles Materielle das Werk Luzifers ist, dann ist die einzige Rettung die Loslösung von dieser Materie, die einzige Hoffnung die Befreiung der Seele von ihrer materiellen Hülle. Denn nur die Seele ist eine Schaffung Gottes, und letztlich geht es nur um sie. So gesehen, ist Entstofflichung, auch des Geldes, ein gnostischer Vorgang. Durch ihn wird Geld unsichtbar, unwahrnehmbar, geruchlos.

Geldbefreiung (V) - quantitativ

S.196 Lebten die Griechen noch ganz im Moment, scherten sie sich keinen Deut um Vergangenheit und Zukunft, so ist auch die Dynamik der Römer auf nichts anderes zurückzuführen als auf die Abwesenheit vom Widerstand ihrer Anrainer.

S.197 Die Geburt des modernen Kapitalismus ist ein durch und durch spekulatives Phänomen.

S.200 Billiges Geld sucht kurz vor demKollaps jede erdenkbare Möglichkeit der Verwertung.
Das Volumen der Geldschwemme hat immer mehr zugenommen bei gleichzeitiger Verknappung der Verwertungsmöglichkeiten.

Schlusswort

S.203 Geld setzt sich durch
Geld setzt sich durch, indem es noch mehr Geld heckt
Schon lange ist das Geld nur noch marginal mit dem Warenhandel beschäftigt und fast nur noch mit sich selbst.
Individualität und Individualisierung soll vom deutschen ins chinesische übersetzt werden. Es gibt aber keine! Die Bedeutung trifft am ehesten auf Neid und Habsicht zu.

S.204 Der Bekantenkreis der Vertrauten war 1985 noch 12-13 Personen gross - 2005 war er noch 2-3 Personen gross. (Studie: Smith-lovin et al. 2006) Datei:Social Isolation in America Changes in Core Discussion Networks over two Decades.pdf
Nicht Habgier oder Neid ist es, die uns nur noch Immunisierungspläne schmieden lassen, es ist die blanke Angst.





Links zum Thema

Bitcoins Parallelwährungen